Lager Graz-Liebenau

Durch die Bauarbeiten für das Murkraftwerk ist eines der historisch sensibelsten Areale von Graz in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Das Lager Graz-Liebenau war im April 1945 eine Zwischenstation der ungarischen Juden auf ihren Todesmärschen vom „Südostwall“ in Richtung KZ Mauthausen. Dutzende von ihnen überlebten den Aufenthalt in Graz-Liebenau nicht: Auf Befehl der Lagerleitung mussten die geschwächten jüdischen Zwangsarbeiter im Freien nächtigen, erhielten unzureichende Verpflegung und wurden medizinisch nicht versorgt. Mindestens 35 wurden hier erschossen und in Massengräbern verscharrt. Im Mai 1947 ließ die britische Besatzungsmacht Exhumierungen auf dem ehemaligen Lagerareal durchführen. Im selben Jahr wurde das NS-Verbrechen im Lager Liebenau durch ein britisches Militärgericht untersucht. Auf Basis von Archivdokumenten und zeitgenössischen Medienberichten rekonstruiert Barbara Stelzl-Marx die Grazer NS-Lager, das Schicksal der ungarischen Juden in Liebenau, die Ergebnisse der Exhumierungen und das Gerichtsverfahren mit der begleitenden Berichterstattung. Damit macht sie dieses dunkle Kapitel in der Grazer Zeitgeschichte für die Öffentlichkeit zugänglich.

 

Das Buch zum Thema:

Barbara Stelzl-Marx

Das Lager Graz-Liebenau in der NS-Zeit

Zwangsarbeiter – Todesmärsche – Nachkriegsjustiz

14,8 x 21 cm, Broschur, 96 Seiten

ISBN 978-3-7011-0254-9

€ (A) 17,80
€ (D) 17,30
sFr 30,30

 

PRESSESTIMMEN

„Historikerin bricht Licht ins Dunkel von Grazer Zwangsarbeiterlager.“
APA, 16.1.2013

„Bei ihren akribischen Recherchen, die die Historikerin im Rahmen ihrer Tätigkeit am Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung in Graz durchführte, stütze sie sich auf internationale Archivdokumente – unter anderem aus Großbritannien – sowie auf zeitgenössische Medienberichte. Das Ergebnis ist ein aufrüttelndes Buch, das wissenschaftlich fundierte Fakten mit Aussagen von Zeitzeuginnen verknüpft und damit sowohl die Gräuel der TäterInnen als auch das leider der Opfer in einem der größten Grazer Lager der NS-Zeit vor dem Vergessen bewahrt.“
Gudrun Pichler, uni.on

„Versteckte Orte des Grauens. Historiker machen durch minutiöse Forschungsarbeit in Vergessenheit geratene, verdrängte und ‚übersehene‘ Nazistätten wieder sichtbar.“
Martin Kugler, „Die Presse“, 13.1.2013

„Das Lager Graz-Liebenau war eine Zwischenstation auf dem Todesmarsch der ungarischen Juden nach Mauthausen. Eine Grazer Historikerin hat die Vorgänge in diesem vergessenen Areal des Schreckens rekonstruiert.“
Doris Griesser, „Der Standard“, 16.1.2013

Zu jüngsten Funden im Zuge der Errichtung eines nahegelegenen Jugendzentrum siehe einen Bericht im „Standard“ vom 16.5.2107