Das Lager Graz-Liebenau in der NS-Zeit

Dieses Projekt hatte einen bislang kaum behandelten Teilaspekt der Kriegs- und Nachkriegsgeschichte der Stadt Graz im Fokus: Die Entwicklung und Geschehnisse während des Zweiten Weltkrieges (insbesondere in den letzten Kriegsmonaten) im Lager Liebenau sowie die Nachforschungen durch die britische Besatzungsmacht nach 1945 zu diesen Verbrechen der letzten Kriegswochen.

Das Lager Graz-Liebenau war im April 1945 eine Zwischenstation der ungarischen Juden auf ihren Todesmärschen vom „Südostwall“ in Richtung KZ Mauthausen. Dutzende von ihnen überlebten den Aufenthalt in Graz-Liebenau nicht: Auf Befehl der Lagerleitung mussten die völlig geschwächten jüdischen Zwangsarbeiter im Freien nächtigen, erhielten gänzlich unzureichende Verpflegung und wurden medizinisch nicht mehr versorgt. Mindestens 35 wurden hier erschossen und in Massengräbern verscharrt.

Im Mai 1947 ließ die britische Besatzungsmacht Exhumierungen auf dem ehemaligen Lagerareal durchführen. Im selben Jahr wurde das NS-Verbrechen im Lager Liebenau durch ein britisches Militärgericht untersucht. Auf Basis von Archivdokumenten und zeitgenössischen Medienberichten wurden für die Studie die Grazer NS-Lager, das Schicksal der ungarischen Juden in Liebenau, die Ergebnisse der Exhumierungen und das Gerichtsverfahren mit der begleitenden Berichterstattung erforscht und analysiert. Das von Barbara Stelzl-Marx im Leykam-Verlag publizierte Buch „Das Lager Graz-Liebenau in der NS-Zeit. Zwangsarbeiter – Todesmärsche – Nachkriegsjustiz“ wurde im Jänner 2013 an der Universität Graz vorgestellt.