Der Wiener Gipfel 1961

Dieses Forschungsprojekt widmete sich dem Gipfeltreffen zwischen Nikita S. Chruschtschow und John F. Kennedy im Juni 1961 in Wien. Über 60 Historiker und an den damaligen Ereignissen beteiligte Personen arbeiteten 3 Jahre lang in einem internationale Forschungsnetzwerk zu diesem Thema. Es beleuchtete nicht nur das Treffen selbst, sondern auch die zu diesem Zeitpunkt herrschende weltpolitische Lage, eine nicht unheikle und „heiße“Phase des Kalten Krieges.

Anfang Juni 1961 sollte der Kalte Krieg eine Atempause einlegen. Die Führer der beiden Supermächte, John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow, trafen sich zum Gipfel in Wien. Doch die Hoffnungen trogen. Binnen Monaten war der Kalte Krieg ganz heiß: In Berlin ließ Chruschtschow die Mauer bauen. Und im Jahr darauf schickte er Raketen nach Kuba, um die USA direkt zu bedrohen. War der Wiener Gipfel ein Fehlschlag? Ja, denn es gab kaum zählbare Ergebnisse. Nein, denn erstmals sahen die Supermächte, dass es nur einen Weg gab, der Apokalypse ihrer Atom-Arsenale zu entrinnen: den Dialog. Der „Friede durch Angst“ und der „heiße“ Draht zwischen Washington und Moskau verhinderten eine atomare Konfrontation. Österreich stellte dabei seine neue Rolle als neutraler Staat und Gastgeber erfolgreich unter Beweis. Wien wurde zum Ort der Begegnung im Kalten Krieg. Auf Basis neuer russischer und westlicher Quellen analysieren internationale Experten, was sich damals wirklich abspielte. Und wie nahe man an einer Katastrophe vorbeischrammte.

Die Arbeiten dazu erfolgten während eines dreijährigen internationalen Forschungsprojektes: Über 60 Historikerinnen und Historiker und damals handelnde Persönlichkeiten aus Europa, Russland und den USA arbeiteten in einem großen Forschungsnetzwerk unter Leitung des Instituts am Thema.

Die Projektergebnisse wurden 2011 durch Publikationen in deutscher und russischer Sprache sowie mehrerer internationaler Konferenzen (25. März 2011 an der Harvard-University und 19.–21. Mai 2011 an der Diplomatischen Akademie Wien) der Öffentlichkeit präsentiert und in einem rund 1000-seitigen Sammelband mit Beiträgen von über 40 Experten publiziert. 2014 erschien in der Reihe „Cold War Studies Book Series“ an der Harvard-University eine englische Ausgabe des Bandes, der, wie schon zuvor der englische Band zum „Prager Frühling“, vom Rezensionsmagazin „Choice“ des US-amerikanischen Bibliothekenverbundes im Bereich „History, Geography & Area Studies“ als eines von 14 Büchern zum „Outstanding Academic Title 2014“ gekürt.