Peter Sixl verstorben

Nachruf auf Reg. Rat Ing. Peter Sixl (16.6.1944 – 7.6.2019)

Ing. Peter Sixl ist nicht mehr. Selten hat eine Nachricht die österreichisch-russischen Beziehungen auf humanitärem Gebiet so betroffen gemacht. Mitten aus seinen Forschungen zu den Grablagen Tausender ehemaliger Sowjetbürger in Österreich ist Peter Sixl einem schweren Leiden erlegen. Das Österreichische Schwarze Kreuz, das Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung und Tausende Menschen, denen  durch die Arbeit von Peter Sixl Ungewissheit genommen werden konnte, verlieren mit seinem Tod einen unermüdlichen Kämpfer, wenn es galt, den meist namenlosen Toten wieder einen Namen, ein Gesicht zurück zu geben.

Über 14 Jahre hat Ing. Peter Sixl Grablage um Grablage sowjetischer Staatsangehöriger in Österreich aus den Akten, vor Ort und aus Berichten von Zeitzeugen gesammelt. Mit eisernem Willen schaffte er, was zuvor noch niemandem gelang und einzigartig ist in Europa. Er listete über 90.000 auf, versehen mit den wichtigsten persönlichen Daten, der Herkunft, dem Todesdatum und der Grablage: Angehörige der Roten Armee, Zivilisten, sowjetische Begleitpersonen, Experten der Wirtschaft, Frauen, Kinder, ehemalige sowjetische Zwangsarbeiter und Insassen des KZ-Lagersystems von Mauthausen und Gusen. Seine Nachforschungen erstreckten sich parallel ebenso auf tote  Soldaten der Deutschen Wehrmacht auf steirischem Gebiet und auf tote österreichische Kriegsgefangene in sowjetischen Lagern. Sixl machte keinen Unterschied nach Staatszugehörigkeit oder Nationalität. „Im Tod sind sie alle gleich“, hörte man ihn oft sagen, wenn er tags und nachts in seinem Haus über den Unterlagen saß.

Sein Lebenswerk hat er als Kurator des Schwarzen Kreuzes und als freier Mitarbeiter des Boltzmann Instituts  mit grosser logistischer Hilfe russischer Stellen, vor allem der Botschaft in Wien, des Russischen Kulturinstituts und der Steirischen Landesregierung/Kriegsgräberfürsorge unentgeltlich durchgeführt. Zwei umfangreiche Bände in deutscher und russischer Sprache liegen vor, dazu eine pdf-Version, übergeben der russischen Regierung. Sixl erhielt dafür hohe russische Auszeichnungen, persönlich überreicht von Präsident Putin.

Und es ist wohl kein Zufall, dass am Donnerstag,13. Juni, nur wenige Stunden nachdem er selbst der Erde übergeben wird, am steirischen Wechsel wiederum Tote Soldaten in feierlicher Form bestattet werden. Sixl hat auch diese gefunden. Sein Werk wird bleiben als eine zutiefst humanitäre Aufgabe, der sich jede demokratische Gesellschaft verpflichtet fühlen muss und als eine Brücke der Versöhnung über den Gräbern zwischen ehemaligen Feinden und Gegnern.

Stefan Karner