Am 2. März feierte das Institut sein 25-jähriges Jubiläum. Die erstmalige Erforschung des Schicksals österreichischer Kriegsgefangener in der einstigen Sowjetunion sowie von Zwangsarbeitern in der damaligen „Ostmark“ machten das Ludwig Boltzmann Institut (LBI) für Kriegsfolgenforschung in Graz bekannt. Am 2. März feiert es das 25-jährige Bestehen. Sein Leiter, Stefan Karner, wird dann die Führung an Barbara Stelzl-Marx übergeben, teilte das Institut mit.

Stefan Karner – der im Dezember 2017 seinen 65. Geburtstag gefeiert hat – erhielt dank seiner guten Kontakte im Jahr 1991 als erster westlicher Forscher Zugang zu den bis dahin geheimen Archiven des NKWD bzw. des KGB, der früheren sowjetischen Geheimdienste. Über 10.000 Österreicher haben unmittelbar von dieser Forschung profitiert und Auskunft über das Schicksal ihrer in sowjetischer Gefangenschaft festgehaltenen Angehörigen in Graz bekommen, wie die stellvertretende Leiterin, Barbara Stelzl-Marx, im Gespräch mit der APA schilderte. Tausende kamen in den folgenden Jahren dazu. „Wir konnten als Historiker mit unserem wissenschaftlichen Werkzeug tatsächlich Gewissheit über den Verbleib ihrer Verwandten geben und direkt helfen“, resümierte Stefan Karner gegenüber der APA .

Am 2. März wird in einer Festveranstaltung in der Aula der Universität Graz ein Blick in die Vergangenheit und die Zukunft des Instituts für Kriegsfolgenforschung geworfen werden. Der ins Pensionsalter gekommene Historiker wird dann die Leitungsfunktion an die Grazer Zeithistorikerin Barbara Stelzl-Marx übergeben. Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka wird den Festvortrag, Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (beide ÖVP) die Laudatio halten.

Neben der Aufarbeitung des Schicksals von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern sind die Rote Armee in Österreich von 1945 bis 1555, der Wiener Gipfel mit John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow (1961), der Prager Frühling (1968), der Zerfall der Sowjetunion (1991) oder Wien als Spionagedrehscheibe wichtige Forschungsfelder des Instituts. Untersucht werden auch die Auswirkungen von Kriegen und bewaffneten Konflikten des 20. Jahrhunderts auf das Leben von Kindern und hier insbesondere von Besatzungskindern. Das Institut leitete Ausstellungen wie die Staatsvertrags-Ausstellung auf der Schallaburg (2005), die niederösterreichische Landesausstellung „Österreich-Tschechien: geteilt – getrennt – vereint“ (2009) oder die Republik-Ausstellung im Parlament (2008/09).

International gut vernetzt

International ist das Kriegsfolgenforschungs-Institut mit über 30 Hauptkooperationspartnern, vor allem in Russland, Deutschland und den USA, vernetzt. Karner leitet zudem den österreichischen Teil der Österreichisch-Russischen Historikerkommission. Er konzipierte auch mit einem großen Team das im Vorjahr eröffnete „Haus der Geschichte“ im Museum Niederösterreich in St. Pölten.

Der aus Kärnten (1952) gebürtige Historiker setzte sich im Kärntner Ortstafelstreit für den Dialog zwischen den Volksgruppen ein und moderierte die sogenannte Konsensgruppe. Bereits 2005 hatte der vom damaligen Bundeskanzler Schüssel beauftragte Wissenschafter einen Vorschlag (sogenanntes „Karner-Papier“) zum Ortstafelstreit präsentiert, welches zur Grundlage zur Beilegung des Ortstafelstreits wurde.

Karner, der an der Universität Graz von 2004 bis 2006 und seit 2012 das Institut für Wirtschafts-, und Sozial- und Unternehmensgeschichte leitet, wurde vielfach ausgezeichnet: Er war 1995 österreichischer „Wissenschafter des Jahres“, erhielt 2011 das „Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich“ und hat u.a. 2012 den päpstlichen Gregorius-Orden verliehen bekommen. 2016 wurde Karner von der Russisch Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität (RGGU) in Moskau mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Er ist Autor und Herausgeber von 74 Büchern, von mehr als 3.200 wissenschaftlichen Publikationen und Beiträgen und Herausgeber mehrerer Publikationsreihen.

Die Online-Version der APA-Meldung finden Sie hier.

In der „Kleinen Zeitung“ ist aus diesem Anlass ein Interview mit Stefan Karner erschienen, dieses finden Sie hier.

Weitere Pressemeldungen zum Jubiläum:

Bericht der APA Science vom 2.3.2018

Bericht auf science.orf.at vom 3.3.2018

Bericht in der „Kleinen Zeitung“ vom 2.3.2018

Bericht in „Ö1 – Wissen aktuell“ am 2.3.2018

Bericht auf steiermark.orf.at vom 3.3.2018

Bericht im „ORF-Radio Steiermark“ vom 3.3.2018

Bericht in „Niederösterreich heute“ am 3.3.2018