Schloss St. Martin: Wirtschaftsschloss – Gauschulungsburg – Volksbildungshaus

Ziel des Projektes ist die Erforschung und Aufarbeitung der wechselvollen Geschichte des im Westen von Graz gelegenen Schlosses St. Martin, das als bedeutendstes Volksbildungshaus der Steiermark 2019 sein 100. Jubiläum feiert. Schwerpunkt liegt dabei auf der bis heute in der Forschung weitgehend ausgesparten Phase von 1938 bis 1945.

Im 11. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, prägte St. Martin als Wirtschaftsschloss des Stiftes Admont lange Zeit die Weinbau- und Landwirtschaftsgeschichte im Grazer Raum. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Schloss zum Zentrum der steirischen Volksbildungsbewegung, die jedoch vom NS-Regime unterbrochen und umfunktionalisiert wurde: Ab 1941 nutzte die NSDAP das Schloss unter dem Namen „Gauschulungsburg Martinshof“ für Parteiveranstaltungen und Parteischulungen. 1943 wurde unter St. Martin ein unterirdischer Bunker errichtet, der u. a. dem Gauleiter als Luftschutzkeller und Geheime Befehlszentrale gedient haben soll. Auch gibt es Hinweise, dass die Deutsche Wehrmacht das Schloss als Reichsverwaltungsgebäude nutzte. Trotz eines dunklen Tarnanstriches zerstörten ab März 1944 insgesamt fünf US-Bombenangriffe den Nordwesttrakt zur Gänze. Nach 1945 folgte eine Wiederaufnahme der Bildungsarbeit in geistlicher Tradition, die im Zuge der modernen Neuausrichtung 2011 erstmalig durchbrochen wurde.

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes werden unter anderem über eine Monographie, die zum 100. Jubiläum 2019 erscheinen wird, publiziert. Gefördert wird das Projekt durch das Land Steiermark, Bildungshaus St. Martin und den Zukunftsfonds der Republik Österreich, der die Aufarbeitung des Forschungsdesiderats „Gauschulungsburg Martinshof – Das steirische Volksbildungshaus Schloss St. Martin in der NS-Zeit“ unterstützt. Die Projektleitung hat PD Dr. Barbara Stelzl-Marx inne, Projektmitarbeiterin ist Dr. Katharina Bergmann-Pfleger.