Gemeinsam mit dem Museum Niederösterreich startete das Institut einen Suchaufruf nach den Eigentümern eines Chariwari, das nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Eigentümern in Braunau in Oberösterreich entwendet wurde.

Hier eine Abbildung der Halskette (© Museum Niederöstereich):

Nähere Informationen zum Suchaufruf:

Nach Abschuss eines B24-Bombers im Zweiten Weltkrieg geriet der US-Soldat Stan Muczynsky in Kriegsgefangenschaft im Lager Stalag XVII B Krems-Gneixendorf. Vor seiner Rückreise in die USA entwendete er auf einem Bauernhof im Bezirk Braunau (Oberösterreich) eine als „Chariwari“ bezeichnete Schmuckkette. Am Sterbebett bat er seinen Schwiegersohn Richard Smith im Jahr 2014, die Schmuckkette seinem ursprünglichen Besitzer zurückzugeben oder zumindest nach Österreich zurückzuführen. Auf Vermittlung des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung wurde das Objekt an die Landessammlungen Niederösterreich übergeben. Das Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung und das Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich starten nun die Suche nach dem ursprünglichen Besitzer.

„Von Richard Smith, dem Schwiegersohn von Stan Muczynsky, wurde das Chariwari in den USA an Justin Ungerboeck, dem österreichischen Honorarkonsul in St. Louis übergeben. Im Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich hat es dann der wissenschaftliche Leiter Christian Rapp von US-Botschafter Trevor Traina symbolisch entgegengenommen. Und nun bitten wir die Medien um ihre Mithilfe, den ursprünglichen Besitzer der Schmuckkette zu finden“, erklärt Barbara Stelzl-Marx, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung, die seit Jahren zum Stalag XVII B forscht und daher auch von Richard Smith kontaktiert wurde.

„Die Geschichte dieses Chariwari ist eine zutiefst berührende“, ergänzt Christian Rapp, wissenschaftlicher Leiter des Hauses der Geschichte im Museum Niederösterreich. „Kurz vor der Überstellung nach Frankreich beschließt der junge Soldat, noch Beute zu machen und bereut diese Tat vor seinem Tod. Wir haben nicht viele Anhaltspunkte, aber vielleicht gelingt es ja doch, den ursprünglichen Besitzer zu finden. Wenn nicht, ist das Objekt mit seiner Geschichte bei uns in der Ausstellung gut aufgehoben.“

Als Chariwari – der Begriff kommt aus dem Französischen – bezeichnet man eine silberne oder versilberte Schmuckkette, die individuell mit Geldstücken, verkümmertem Geweih, Tierzähnen, Edelsteinen oder Tierpfoten gestaltet wird. Das Chariwari dient zur Befestigung der Taschenuhr und zur Verzierung der Trachtenlederhose.

Das Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich versteht sich als Ort des Dialogs und der Begegnung. Auch im Rahmen des Zeitzeugen-Forums „Erzählte Geschichte“ mit sowjetischen Besatzungskindern startete das Museum Niederösterreich in Kooperation mit dem Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung eine bisher leider erfolglose Suche nach der Geliebten von Vasyl Kuhar, dem Großonkel des ukrainischen Botschafters in Wien, Olexander Scherba. Dem Thema der „Unsichtbaren Lager“ in Niederösterreich und ihrer Spuren wird sich am 21./22. November eine wissenschaftliche Konferenz in St. Pölten widmen.

Sollten  Sie über Informationen zu dieser Halskette verfügen, wenden Sie sich bitte per E-Mail an uns.