Ausstellungseröffnung „Die Tragödie Lettlands 1941“

Am 26. Juni 2015 wurde im RESOWI-Zentrum der Universität Graz die Ausstellung „Die Tragödie Lettlands 1941“ eröffnet. Diese Ausstellung wurde vom Okkupationsmuseum Lettlands und dem Museum „Juden in Lettland“ gemeinsam erarbeitet.

Die Ausstellung kann noch bis 10. Juli im RESOWI-Zentrum (Bauteil E, 2. Stock) besucht werden.

Zur Ausstellung:

Das Jahr 1941 war das schrecklichste Jahr in der Geschichte Lettlands. Eine Tragödie folgte der anderen. Zwei brutale militärische Besatzungen durch totalitäre Mächte – der stalinistischen Sowjetunion und des nationalsozialistischen Dritten Reichs – und die damit verbundenen Verbrechen an der Zivilbevölkerung, löschten die Leben von mindestens 100.000 lettischen Bürgern aus, darunter Kinder und Alte. Das entsprach fünf Prozent der damaligen Bevölkerung Lettlands von rund zwei Millionen Menschenach dem Zweiten Weltkrieg kamen in Österreich und Deutschland Hunderttausende Besatzungskinder auf die Welt: als Folge von Liebesbeziehungen, kurzen Affären, „Überlebensprostitution“, aber auch nach Vergewaltigungen. Sie galten als „Kinder des Feindes“, obwohl ihre Väter offiziell keine Feinde mehr waren. Häufig waren sie – gemeinsam mit ihren Müttern – Diskriminierung und Stigmatisierung ausgesetzt.

Jede Familie, jede Person in Lettland musste unter den fremden Besatzungsmächten leiden – sei es unter den von den Besatzern erzwungenen politischen Veränderungen, Deportationen, oder unter der Bedrohung und dem vielfachen Verlust von Freiheit, Eigentum oder gar Leben.
Die Autoren der Ausstellung unterstreichen, dass die lettischen Staatsangehörigen – Opfer beider Besatzungsmächte – aus allen in Lettland lebenden Nationalitäten stammten. Die 1991 wieder errichtete Republik Lettland verurteilt strengstens alle Verbrechen des Jahres 1941 und der folgenden Kriegsjahre und gedenkt mit großem Respekt allen Opfern dieser Zeit.

Die Ausstellung wurde von den Historikern Ritvars Jansons, Iļja Ļenskis, Ojārs Stepens und Marģers Vestermanis vorbereitet. Die künstlerische Gestaltung übernahm Ieva Nagliņa.

Im Zeitraum zwischen 1938 und dem in der Ausstellung thematisierten „Jahr des Schreckens“ 1940/1941 war Lettland für hunderte österreichische Juden Zufluchtsort vor der Verfolgung durch das NS-Regime. Von der jüdischen Gemeinde Lettlands freundlich aufgenommen, durchlitten auch diese Flüchtlinge das Schicksal des baltischen Landes unter beiden Besatzungen, mit allen radikalen Konsequenzen.