Das deutschsprachige Exil in Kanada

Flucht und Vertreibung von Österreich nach Kanada nach dem „Anschluss“ 1938 wurden bislang nur fragmentarisch untersucht; eine systematische und umfassende Erforschung des erzwungenen Exils in Kanada ist noch ausständig. In diesem Kontext wird darauf verwiesen, dass das Desiderat einer systematischen Untersuchung auf das gesamte deutschsprachige Exil in Kanada zutrifft. Grund dafür ist unter anderem, dass Kanada im Gegensatz zu anderen Ländern nur sehr wenige jüdische NS-Flüchtlinge aufnahm, weshalb das Land auch nicht im Fokus der Exilforschung stand. Das aktuelle Forschungsprojekt möchte dazu beitragen, dieses Desiderat zu verringern.

Projekt: „Flucht, Deportation, Internierung. Auf den Spuren österreichischer NS-Flüchtlinge in Kanada“

Das Projekt möchte einen in Österreich und Deutschland bislang wenig rezipierten Aspekt der Exilforschung in das Blickfeld rücken. Es sollen Namen, biografische Grunddaten und weitere Daten jener Männer erfasst werden, die vor den Nationalsozialismus nach Großbritannien geflüchtet waren und auf drei Schiffen im Juli 1940 als „enemy aliens“ nach Kanada deportiert und dort in Internierungslagern festgehalten wurden. Die in kanadischen, britischen und österreichischen Archiven erhobenen Daten sollen eine Grundlage schaffen, um die Österreicher (schätzungsweise 600 bis 700) in der Gruppe der verschifften deutschsprachigen Flüchtlinge zu identifizieren und können als Basis für weitere biografische und kollektiv-biografische Untersuchungen, etwa zur Ermittlung der geografischen und sozialen Herkunft der so genannten „internierten Flüchtlinge“, ihrer Altersstruktur und beruflichen Ausbildung bzw. ihrem weiteren Werdegang in Kanada oder anderswo dienen.

Das Projektteam besteht aus Andrea Strutz (Leitung), Michaela Tasotti und Thomas Schreiber.

Die Untersuchung wird von Zukunftsfonds der Republik Österreich und dem Land Niederösterreich gefördert.

Project: “Flight, Deportation, Internment: Tracing Austrian Refugees from Nazism in Canada”

The research aims to shed light on those refugees from Nazism who had to flee from Austria to Britain, were deported to Canada and detained there in internment camps. The data collected in Canadian, British, and Austrian archives should provide a basis for identifying these Austrians (estimated at 600 to 700) and might serve as a basis for further biographical and collective biographical research, e.g. to determine the geographic and social origin of the so called “interned refugees”, their age structure and vocational training or their subsequent lives in Canada or elsewhere.

Project team: Andrea Strutz (head), Michaela Tasotti and Thomas Schreiber.

The research is funded by the Future Fund of the Republic of Austria and the Federal Government of Lower Austria.

Foto (Andrea Strutz), Historisches Quellenmaterial, Alex Dworkin Canadian Jewish Archives, Montreal