Forschungsnetzwerk interdisziplinärer Regionalstudien

Seit 2015 ist das Institut Teil des „Forschungsnetzwerks interdisziplinärer Regionalstudien (FIRST)“ in Niederösterreich. Dieses umfasst geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Forschungseinrichtungen mit Sitz in Niederösterreich, die bereits vor ihrem Eintritt wissenschaftliche Forschung auf internationalem Niveau betrieben haben. Im Rahmen dieser Kooperation ist es mit zwei Teilprojekten an den Forschungsverbünden (FV) „Migrationsraum Niederösterreich“ und „Ernährung“ an dem Netzwerk beteiligt.

 

Forschungsverbund „Migrationsraum Niederösterreich“

Das Ziel dieses Forschungsverbundes ist die Etablierung und weitere Fortführung des Forschungsfeldes Migrationsforschung unter einem neuen kultur- und sozialwissenschaftlichen Paradigma, das historische und gegenwartsbezogene Disziplinen in einer Längsschnittperspektive verbindet. Diese große zeitliche und methodische Spannweite ist durch die Diversität der beteiligten Forschungsinstitutionen gewährleistet. Zur Erreichung dieses Ziels wird der Forschungsverbund in Zusammenarbeit mit dem Netzwerkmanagement an der Donau-Universität Krems mehrere Konzepte und Anträge für international evaluierte Projekte erarbeiten.

Das BIK beteiligte sich mit einem Teilprojekt zum Thema „Niederösterreich: Zwangsmigrations- und Integrations-/Inklusionsraum in der Nachkriegszeit, 1945–1956“ an diesem Forschungsverbund. Dieter Bacher führte die Forschungen dieses Teilbereiches durch, die Ergebnisse dieses und der weiteren Projekte werden 2020 im Rahmen einer Sondernummer der „Österreichischen Zeitschrift für Geschichtswissenschaft“ publiziert.

Der Website zum FIRST-Forschungsverbund Migration können weitere Informationen entnommen werden. Auf dieser Website ist u. a. auch ein Blog zum Thema „Die vielen Geschichten der Migration“ mit Biografien aus den aktuellen Forschungen des Verbundes einsehbar.

 

Forschungsverbund „Ernährung und Ungleichheit“

Dieser Forschungsverbund betrachtet soziale Ungleichheit durch das Prisma der Nahrung. Er verfolgt einen innovativen Forschungsansatz, der geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Interdisziplinarität und eine Langzeitperspektive vereint. Er schafft die Wissensbasis für eine historisch fundierte Debatte der aktuellen Herausforderungen der Gesellschaft. Etwa durch die Erschließung neuer Quellen (z.B. Bestand „NÖ heute“ des Filmarchiv Austria) schafft er Grundlagen für Ausstellungs- und Museumsprojekte.

Das BIK beteiligte sich mit einem Teilprojekt zum Thema „Als Zwangsarbeiter und Flüchtling in einer notleidenden Gesellschaft. Die Lebensmittelversorgung von zivilen Zwangsarbeitern in Österreich während des zweiten Weltkrieges und der Besatzungszeit“ an diesem Forschungsverbund. Bernhard Bachinger führte die Forschungen dieses Teilbereiches durch, die Ergebnisse dieses und der weiteren Projekte wurden 2020 im Rahmen einer Sondernummer der „Österreichischen Zeitschrift für Geschichtswissenschaft“ (Bd. 30 Nr. 2) publiziert.

Der Website zum FIRST-Forschungsverbund „Ernährung und Ungleichheit“ können weitere Informationen entnommen werden.

 

Forschungsverbund „Lager“

Der 2020 gegründete Forschungsverbund hat zum Ziel, Lager und lagerähnliche Einrichtungen, die auf dem Gebiet des heutigen Niederösterreich errichtet wurden, zu lokalisieren, systematisch zu verzeichnen und mittels inter- und transdisziplinärer Zugänge zu erforschen. Die Kriege und Diktaturen des 20. Jahrhunderts brachten es mit sich, dass viele Menschen zeitweise in Lagern untergebracht und im Extremfall, vor allem in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern, darin sogar ermordet wurden. Als Begleiterscheinungen von Krieg, (Zwangs-)migrationen, Repression und sozialen Experimenten wurden Lager zum Signum der Moderne. Zygmunt Bauman bezeichnete das 20. Jahrhundert passend als „Jahrhundert der Lager“, aber auch im 21. Jahrhundert bleiben bestimmte Lagertypen allgegenwärtig.

Im Rahmen des Verbundes werden die ansonsten getrennten Forschungsfelder (Forschungen zu Kriegsgefangenen, KZ-InsassInnen, ZwangsarbeiterInnen, Inklusionslagern zur Erziehung und Umformung des „deutschen Volkes“, DPs und Geflüchteten) stärker miteinander verknüpft. Auf diese Weise können die unterschiedlichen Funktionen sowie Kontinuitäten, Diskontinuitäten und Aspekte des Wissenstransfers in der Entwicklungsgeschichte dieses räumlichen Macht- und Herrschaftsinstrumentes differenzierter als bislang untersucht werden.
Im Rahmen von ortsbezogenen Fallstudien sollen die „Innenwelten“ der Lager, die mit der Lagerunterbringung verbundenen subjektiven Erfahrungen, die Praktiken des Umgangs der Menschen mit den jeweiligen Lagerbedingungen ebenso ausgelotet werden wie auch die Verflechtung ausgewählter Lager mit der unmittelbaren und mittelbaren Umgebung. Zur Schaffung einer fundierten Wissensbasis (Grundlagenforschung) legt der Verbund ein besonderes Augenmerk auf die Sicherung von Quellen (Dokumentationen und Archivalien) und vorhandenem Wissen zu den Lagerorten bzw. den dort untergebrachten Personengruppen.
Ebenso wichtig sind Fragen von Erinnerungskulturen, der Wissensvermittlung sowie der Entwicklung von innovativen Formaten, die eine partizipative Wissensproduktion seitens der interessierten Öffentlichkeit ermöglichen („Citizen Science“ und „digitale Forschungsplattform“).

Der Forschungsverbund wird von Dieter Bacher geleitet.

Nähere Informationen zum Forshugnsverbund können der first-Website entnommen werden.