Gedenkveranstaltung mit Barbara Stelzl-Marx

Anlässlich des Jahrestags der Befreiung des KZ Mauthausen erinnerte das österreichische Parlament am Donnerstag, dem 5. Mai 2022 an die Opfer des Nationalsozialismus. Auf Einladung von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und Bundesratspräsidentin Christine Schwarz-Fuchs fand auch heuer wieder der Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Parlament in der Hofburg statt.

Vor der Keynote von Antisemitismusforscherin Monika Schwarz-Friesel sowie den Begrüßungsworten und dem weiteren Programm führte ein in der KZ-Gedenkstätte Gusen aufgezeichnetes Podiumsgespräch mit dem Titel „Gedenken als erinnernder Mahnruf?“ in die Thematik des Gedenktags ein. Zu Wort kamen darin Barbara Glück, Direktorin der KZ-Gedenkstätten Mauthausen und Gusen, Alexander Hauer, Obmann des Vereins MERKwürdig – Zeithistorisches Zentrum Melk und Barbara Stelzl-Marx, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung und Professorin für europäische Zeitgeschichte an der Universität Graz.

Die APA berichtet: „Barbara Stelzl-Marx sprach von der Fokussierung der österreichischen Gedenkkultur auf das Konzentrationslager Mauthausen, wodurch ein ganzes Netzwerk von anderen Lagern in Österreich in den Hintergrund gerückt sei. Dieses gelte es in der Forschung miteinzubeziehen und das Wissen darüber auch in die Öffentlichkeit zu bringen. So sei beispielsweise über das Zwangsarbeiterlager Graz-Liebenau im wahrsten Sinne des Wortes ‚Gras gewachsen‘. Erst auf eine zivilgesellschaftliche Initiative hin, sei es dem kollektiven Vergessen entrissen worden, so Stelzl-Marx. Dies sei auch ein wichtiges Signal gegenüber den Nachkommen der Menschen, die im Lager ihr Leben verloren haben. Doch auch bei den Nachfahren der Täter:innen schlage sich die Zeit des Nationalsozialismus noch Generationen später nieder. Der Fokus läge bei den tradierten Narrativen auf einer breiten Bandbreite von der Opferrolle über Heldengeschichten bis zur Tabuisierung. Laut Stelzl-Marx sei es auch von Bedeutung, sich diesen Geschichten innerhalb der Familien zu stellen und sie aufzuarbeiten.“

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APA/OTS-Aussendung