Österreichische Kriegsgefangene in Moldawien

Das von Seiten der Grazer Wechselseitigen Versicherung (GRAWE) unterstützte Projekt hat zum Ziel, das Schicksal von österreichischen Kriegsgefangenen in Lagern des GUPVI auf dem Gebiet des heutigen Moldawien aufzuarbeiten und die dazu vorhandenen Dokumentationen auszuheben und zu analysieren.

Zwischen 1941 und 1945 gerieten an der Ostfront gegen die Sowjetunion rund 130.000 Österreicher, die in der Deutschen Wehrmacht Militärdienst versahen, in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Nach der Gefangennahme und teilweise wochenlangen Aufenthalten in Aufnahme- und Sammelpunkten hinter der sowjetischen Frontlinie wurden sie per Bahntransport in die einzelnen Lager der „Hauptverwaltung für Kriegsgefangene und Internierte“ (russ. „Glavnoe upravlenie voennoplennych i internirovannych“, GUPVI) verbracht. Ab 1947 wurden viele von ihnen, u. a. unter Anwendung des „Ukaz 43“ wegen angeblicher Beteiligung an Kriegsverbrechen in der Sowjetunion ebenfalls zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt und von den Lagern des GUPVI in Gefängnisse und GULAG-Lager überstellt.

Das zweite Lagersystem des NKVD/MVD, die „Hauptverwaltung der Lager“ („Glavnoe upravlenie lagerej“, GULAG), existierte seit den frühen 1920er-Jahren und ab 1941 parallel zum GUPVI. Es umfasste ebenfalls tausende Arbeitslager, in denen, im Gegensatz zum GUPVI, verurteilte Personen inhaftiert und zur Arbeit herangezogen wurden. Zwischen 1930 und 1953 waren mindestens 18 Millionen Menschen im Lagersystem des GULAG des NVKD inhaftiert, darunter zahlreiche Österreicher. Die letzten von ihnen kehrten erst Anfang 1956 aus ihrer Gefangenschaft zurück.

Diese beiden Lagersysteme und die bislang bekannten Informationen zu den dort untergebrachten/inhaftierten Österreichern am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung (BIK) sind methodisch der Ausgangspunkt für die wissenschaftliche Aufarbeitung der österreichischen Kriegsgefangenen auf dem Gebiet des heutigen Moldawien.