Militär trifft auf Zivil – Kurzer Tagungsbericht

Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat den in Europa als überwunden geglaubten Krieg erneut zur Realität werden lassen. Ausgehend davon nahm die Tagung Militär – Zivil. Zwei untrennbare Welten an der Uni Graz die Wechselwirkungen und das Ineinandergreifen der oft getrennt gedachten „Welten“ Militär und Zivil in den Fokus. Die unter der interdisziplinären Reihe IURA HISTORIA laufenden Vorträge zeigten bedeutende historische Beispiele sowie aktuelle rechtliche Rahmenbedingungen und militärische Analysen zu den Verschränkungen dieser beiden Sphären auf.

Als erste Vertreterin unseres Teams sprach BIK-Leiterin Barbara Stelzl-Marx. Trotz des Wandel des Feindbilds in der (post-)sowjetischen Propaganda, so die Professorin für europäische Zeitgeschichte, gebe es in der russischen Zivilgesellschaft als auch im Militär einen Rückgriff auf alte Narrative – etwa auf den Siegestag gegen den Faschismus (9. Mai) –, um die ideologischen „Phantomschmerzen“ nach dem Zerfall der UdSSR zu bewältigen.

Philipp Lesiak (BIK) wiederum wies in seinen Ausführungen über zivil-militärische Überschneidungen im Achtzig- und Dreißigjährigen Krieg auf das geschickte Ausnutzen von Grauzonen und „false flag operations“ durch die holländische Seite hin, welche sich im Kampf gegen die Spanier (wirtschaftlich) bewährt hätten.

Florian Traussnig (BIK) arbeitete die nicht friktionsfreie, aber letztlich militärisch und vor allem geheimdienstlich-propagandistisch sehr produktiv verlaufene Integration von exilösterreichischen, zivil formatierten Kreativköpfen und „disorganized characters“ in US-amerikanischen Kriegsinstitutionen des Zweiten Weltkriegs heraus.

In seinem Beitrag über die Anwerbung von Zivilisten durch militärische Geheim- und Nachrichtendienste im Kalten Krieg wies Dieter Bacher (BIK) darauf hin, dass Anwerbung von Zivilisten durch letztere in dieser Zeit notwendig, aber mit Risiken und Ambivalenzen verbunden war.

Am Nachmittag der vom BIK-Mitarbeiter Richard Wallenstorfer organisierten und moderierten Tagung folgten sehr informative juristische Einblicke in militärisch-zivile Thematiken sowie eine sehr nachdenklich stimmende aktuelle Einordnung des Ukraine-Kriegs durch Oberst Markus Reisner.

Social Media-Aviso: Auf unserem Instagram-Account werden wir in den nächsten Tagen noch eine Bildnachlese zur Tagung anlegen.

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