Neue Forschungen zum NS-Massaker in Rechnitz

Seit Jahrzehnten wird vergeblich nach der Grablage der Opfer des Massakers von Rechnitz gesucht. Grabungen an den verschiedenen Verdachtsstellen verliefen bislang ergebnislos. Ein Oral-History-Projekt soll bei der Spurensuche helfen.

Als im Frühjahr 1945 die Rote Armee an der Südostgrenze des Deutschen Reiches näher rückte, wurde vom Oberkommando der Wehrmacht der Bau des sogenannten „Südostwalls“ veranlasst. Neben der ortsansässigen Bevölkerung und „Ostarbeitern“ waren es vor allem ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter, die für den Bau der Verteidigungsstellung eingesetzt wurden. Widrigste Bedingungen und unmenschliche Behandlung standen an der Tagesordnung: mindestens 30.000 ArbeiterInnen kamen durch Seuchen, Erschöpfung, Unterernährung oder Erschießungen ums Leben.

Im Zuge des Südostwall-Baus ereignete sich in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 im burgenländischen Ort Rechnitz eines der größten Endphaseverbrechen in Österreich. Während der Großteil der jüdischen Zwangsarbeiter mit der Eisenbahn zum nächsten Arbeitseinsatz weitertransportiert wurde, wurden die rund 200 schwächsten von ihnen zurück nach Rechnitz gebracht. Am Abend desselben Tages wurde im Schloss Batthyány (Schloss Rechnitz) ein Fest gefeiert, bei dem hochrangige NS-Funktionäre vertreten waren. Teilnehmer des Festes waren in dieser Nacht bei der Erschießung der zum Weitertransport unfähigen jüdischen Zwangsarbeiter beteiligt. Die rund 200 Leichen wurden in einem Acker verscharrt – wo genau, weiß man bis heute nicht.

Das Oral History-Projekt zum Massaker in Rechnitz wird durch Förderung des österreichischen Bundesdenkmalamts vom Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung durchgeführt (Projektleitung: Barbara Stelzl-Marx, Projektmitarbeiterin: Eva-Maria Streit). Das Projekt hat zum Ziel, durch Interviews mit Zeitzeugen die Situation rund um die ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter und um das Massaker von Rechnitz näher zu beleuchten und zu dokumentieren. Ein besonderer Fokus wird darauf gelegt, neue Hinweise betreffend der Lokalisation des Grabes zu erhalten. Seit Jahrzehnten bemühen sich Politik und Privatinitiativen darum, endlich Licht ins Dunkel dieses Geheimnisses zu bringen und die ermordeten Juden in eine angemessene Ruhestätte überführen zu können.

Nähere Informationen zu den Grabungen des Bundesdenkmalamtes vor Ort können auch einem Online-Artikel der Tageszeitung „Kurier“ entnommen werden.