Projekt „Forschungsnetzwerk interdisziplinärer Regionalstudien (FIRST)“

Seit 2015 ist das Institut Teil des „Forschungsnetzwerks interdisziplinärer Regionalstudien (FIRST)“ in Niederösterreich. Im Rahmen dieser Kooperation ist es mit zwei Teilprojekten an den Forschungsverbünden (FV) „Migrationsraum Niederösterreich“ und „Nahrung“ an dem Netzwerk beteiligt.

Am 4. März 2016 wurde FIRST im Rahmen einer Pressekonferenz an der Donau-Universität Krems der Öffentlichkeit vorgestellt. Nähere Informationen dazu können der Homepage der Donau-Universität entnommen werden.

Allgemeine Information:

Das Forschungsnetzwerk interdisziplinärer Regionalstudien (im Folgen kurz „FIRST“) umfasst geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Forschungseinrichtungen mit Sitz in Niederösterreich, die bereits vor ihrem Eintritt wissenschaftliche Forschung auf internationalem Niveau  betrieben haben. Ziel ist die Kooperation der Mitgliedseinrichtungen in organisatorischer und wissenschaftlicher Hinsicht, um eine kritische Größe zu erreichen und Synergien zu schaffen.

Die Mitglieder von FIRST:

Die in den Forschungsverbünden kooperierenden Institutionen sind von ihrer thematischen und methodischen Ausrichtung höchst vielfältig. Ihre Mitarbeiter sind Absolventen der Geschichte, Kunstgeschichte und Sozialwissenschaften, die ihre methodischen Schwerpunkte liegen auf historischer Grundlagenforschung, Erhebung, Analyse und Synthese von quantitativen und qualitativen Quellen, Diskursanalyse, Fragen nach Gender-Kriterien, Realienkunde, kritischer Verwendung von Oral History und angewandter Feldforschung. Die Expertisen reichen von Agrar- und Nahrungsgeschichte, Migrationsgeschichte, jüdischer Geschichte, Zeitgeschichte mit Schwerpunkt Kriegsfolgenforschung, vormoderner Alltagsgeschichte, Realienkunde und Archäologie bis zu Forschungen zur Sozialarbeit und modernen Inklusionsprozessen. Diese Vielfalt an thematischen, methodischen und perspektivischen Kompetenzen erweist sich als überaus gewinnbringend, da die Expertise jeder einzelnen einer Institution sämtlichen Verbundpartnern zur Verfügung steht. Die geplanten regelmäßigen Vernetzungstreffen geben die Möglichkeit, über das eigene Projekt hinaus am Spezialwissen der Partner zu partizipieren und selbst Kenntnisse zur Verfügung zu stellen. In das Hauptziel des Forschungsverbunds, ein gemeinsamer international evaluierter Projektantrag, wird auf diese Weise mehr als nur die Erkenntnissumme aller Teilprojekte einfließen.

Forschungsverbund „Migrationsraum Niederösterreich“:

Ein erstes strategisches Ziel des Forschungsverbundes „Migrationsraum Niederösterreich“ ist die Etablierung und weitere Fortführung des Forschungsfeldes Migrationsforschung unter einem neuen kultur- und sozialwissenschaftlichen Paradigma, das historische und gegenwartsbezogene Disziplinen in einer Längsschnittperspektive verbindet. Diese große zeitliche und methodische Spannweite ist durch die Diversität der beteiligten Forschungsinstitutionen gewährleistet. Als weiteres, vor allem für den Raum Niederösterreich relevantes Ziel, soll die Migration in ländlichen Räumen als Forschungsfeld im europäischen Kontext etabliert werden. Zur Erreichung dieses Ziels wird der Forschungsverbund in Zusammenarbeit mit dem Netzwerkmanagement an der Donau-Universität Krems einen Antrag für ein international evaluiertes Projekt, vorzugsweise im Rahmen von „Horizon 2020“ erarbeiten. Auch für diese Aufgabe wäre es sinnvoll, im Austausch mit dem Forschungsverbund Nahrung zu recherchieren und den Antrag vorzubereiten.
Selbstverständlich kann der Erfolg dieser hoch kompetitiven Einreichung nicht garantiert werden. Doch werden im Rahmen dieses Antrags Vermittlungsinstrumente zwischen dem Forschungsverbund und der allgemeinen Forschungscommunity sowie anderen gesellschaftlichen Stakeholdergruppen (Politik, öffentliche Verwaltung, Bildungswesen, NGOs, Zivilgesellschaft) entwickelt werden, die in verschiedenen Settings gesellschaftlichen Nutzen bringen werden. Zu erwarten sind auch Ideen und Anregungen für Ausstellungen und wissenschaftliche Veranstaltungen unter Beiziehung der Bevölkerung („citizen science“), die unabhängig von einer internationalen Projektbewilligung erfolgreich umgesetzt werden können.

Das BIK beteiligt sich mit einem Teilprojekt zum Thema „Niederösterreich: Zwangsmigrations- und Integrations-/Inklusionsraum in der Nachkriegszeit, 1945–1956“ an diesem Forschungsverbund. Mag. Dieter Bacher wird die Forschungen dieses Teilbereiches durchführen.

Forschungsverbund „Nahrung“:

Der Forschungsverbund Nahrung betrachtet soziale Ungleichheit durch das Prisma der Nahrung. Er verfolgt einen innovativen Forschungsansatz, der geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Interdisziplinarität und eine Langzeitperspektive vereint. Er schafft die Wissensbasis für eine historisch fundierte Debatte der aktuellen Herausforderungen der Gesellschaft. So etwa vermag er auch Wissensgrundlagen für eine evidenzbasierte Politik bereitzustellen. Der Forschungsverbund Nahrung sucht seine Erkenntnisse in inner- und außerwissenschaftlichen Feldern der Gesellschaft zu vermitteln, auch unter partizipativer Einbeziehung gesellschaftlicher Randgruppen. Durch die Erschließung neuer Quellen (z.B. Bestand „NÖ heute“ des Filmarchiv Austria) schafft er Grundlagen für Ausstellungs- und Museumsprojekte (z.B. das Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich), die in einem Folgeprojekt detailliert konzipiert werden können.

Das BIK beteiligt sich mit einem Teilprojekt zum Thema „Als Zwangsarbeiter und Flüchtling in einer notleidenden Gesellschaft. Die Lebensmittelversorgung von zivilen Zwangsarbeitern in Österreich während des zweiten Weltkrieges und der Besatzungszeit“ an diesem Forschungsverbund. Mag. Bernhard Bachinger wird die Forschungen dieses Teilbereiches durchführen.